Echtzeit-Filmproduktion erklärt

Die Echtzeit-Revolution ist hier: mit CG-Animationen, Prävisualisierung, VFX und vielem mehr. So können Regisseure und Künstler vollständige Storytelling-Projekte entwickeln, die ihrer kreativen Vision entsprechen. Lesen Sie weiter, um mehr zu erfahren.

Hear VFX Supervisor Chris Harvey explain real-time creation

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Was bedeutet Echtzeit?

Ganz einfach betrachtet, bedeutet die Verwendung einer Echtzeit-Engine, dass Ihr Projekt „live“ ist, sobald Sie mit der Produktion beginnen. Während Sie arbeiten, können Sie mit Anpassungen an Charakteren, Beleuchtung und Kamerawinkeln experimentieren, und müssen nicht auf eine Render-Farm warten, um zu sehen, wie Ihre Inhalte wirken. Sie haben alles an einer Stelle, samt Kontext – und zwar immer.

Die leistungsstarke Technologie, die dies möglich macht, hat ihre Ursprünge in der Videospielindustrie: Spiele müssen in Echtzeit gerendert werden, damit die Engine binnen Millisekunden auf die Entscheidungen der Spieler reagieren kann. Unity ist die weltweit am meisten verwendete Spieleentwicklungsplattform und somit auch die beste Wahl für alle, die ihre Echtzeiterstellung von 3D-Inhalten zu anderen Zwecken nutzen möchten – egal, ob zur Erstellung linearer Erzählungen, für Automobildesigns, Architektur oder sogar zur Weltraumforschung.

Die Revolution ist bereits hier

Es ist noch nicht lange her, dass Branchenvisionäre einen grundlegenden Wandel vorausgesagt haben. Nun, da so viele der führenden Studios und Branchengrößen bereits bei großen und kleinen Projekten auf Echtzeit zurückgreifen und damit experimentieren, ist es klar, dass diese Vision nicht nur ein ferner Zukunftstraum oder möglicher Trend war. Das ist die Zukunft der Filmproduktion.

Historisch gesehen hat es bei der Erstellung von CG-Inhalten zu viele unnötige Hürden gegeben, von technischen Beschränkungen der Hardware über Schwierigkeiten in der Anpassung von über Jahre hinweg optimierten Pipelines und Workflows bis hin zu mangelnder Flexibilität in Organisationsstrukturen, um mit neuen Lösungen zu experimentieren. Zum Glück haben wir eine Phase des nie zuvor dagewesenen Fortschritts erreicht, in der jeder überall Inhalte erschaffen kann, ohne auf langsame, mühselige und oft herausfordernde Offline-Prozesse angewiesen zu sein. Die einzige bestehende Hürde ist zu verstehen, was dieser Wandel für Ihr Studio bedeutet – und der Wille, den nötigen Schritt zu tun.

Charlie Fink schrieb 2017: „Es passiert gerade etwas sehr Wichtiges mit Unity und Hollywood, das die Medienproduktion in den kommenden Jahren auf dramatische Weise beeinflussen wird, wenn Produktionstechniken der Spieleindustrie die ein Jahrhundert alten Prozesse der narrativen Unterhaltungsindustrie zu verdrängen beginnen wird. Dieser Prozess wird die Film- und Fernsehindustrie, wie wir sie heute kennen, völlig verwandeln. Filmemacher, Kameraleute, Designer und Techniker haben die enorme Gelegenheit, von dem kommenden Wandel zu profitieren … Filmschulen, die ihren Schülern nicht beibringen, wie sie mit Unity Welten erschaffen und Filme machen, verfehlen ihren Bildungsauftrag.“ (Lesen Sie den vollständigen Artikel darüber, wie Unity Film- und Fernsehproduktion auf den Kopf stellt hier in englischer Sprache.)

Immer nach vorn schauen

Im Gegensatz zu sequenziellen Arbeitsprozessen bietet die Arbeit in Echtzeit den Vorteil, dass alle Beteiligten von Anfang an zusammenarbeiten können und kontinuierlich auf das fertige Produkt hinarbeiten können.

Ein neuer Workflow für CG-Animationen

Einer der größten Unterschiede bei der Verwendung einer Echtzeit-Plattform als kreatives Zentrum Ihrer Pipeline ist, dass alle Abteilungen sofort [(1), Abb. oben], zeitgleich und gemeinsam mit der Arbeit beginnen können. Das allein bringt bereits unbezahlbare Vorteile mit sich:

  • Das, was Sie zuvor als „Vorproduktion“ bezeichnet haben, wird so schlichtweg zur „Produktion“. Weil Ihr Projekt von Anfang an live ist, können Sie vorübergehende Animationen und Aufnahmen während des Iterationsprozesses durch aktualisierte oder verbesserte Versionen ersetzen [(2), Abb. oben], wann immer diese bereit sind, ohne dabei Arbeitsprodukte oder Prävisualisierungen in Gänze verwerfen und in einer neuen Phase der Produktion von vorne beginnen zu müssen. Es ist nicht ungewöhnlich, das einige Prävisualisierungen es sogar bis in die finalen Aufnahmen schaffen, da es sich dabei oft um eine nützliche Grundlage handelt, die sich bis zum Ende durchzieht. Einige Regisseure bevorzugen es sogar, ohne Storyboarding zu beginnen, da es sich oft natürlicher und inspirierender anfühlen kann, zuerst eine Welt aufzubauen und dann die richtige Aufnahme zu finden, um die Geschichte zu erzählen.
  • Review-Zyklen, Feedback-Prozesse und die Iterationsgeschwindigkeit wurden so sehr verbessert, dass die Produktion sogar verdoppelt werden kann und Ihre Ziele in der Hälfte der Zeit erfüllt werden können. Regisseure müssen nicht mehr Tage oder Wochen hinter der Arbeit der Künstler zurückbleiben (bis Renderings zu Review-Zwecken fertiggestellt werden können) und können den Fortschritt an einer Szene stattdessen zu jeder Zeit mitverfolgen [(3), Abb. oben]. Das bedeutet, dass auch das Feedback in Echtzeit stattfindet. Künstler wiederum werden durch aktuelle Anweisungen bestärkt und können sich fortwährend vergewissern, dass sie die kreative Vision ihres Führungsteams erfüllen. Ohne Zeitverzögerungen zwischen Iterationen können Entscheidungen schneller getroffen werden, wodurch weniger Ressourcen an die Verfolgung der falschen kreativen Lösungen verschwendet werden.
  • Es kann ohne Risiko experimentiert werden. Beginnen wir mit einem Beispiel: Bei der Entwicklung von Autor/Regisseur Neill Blomkamps (District 9, Elysium) und VFX Supervisor Chris Harveys (TRON: Legacy, Zero Dark Thirty) „Adam 2: The Mirror“ hat eine spezifische Außenszene zur Mittagszeit Probleme verursacht, weil die Beleuchtung der Szene einfach nicht gerecht wurde. Schließlich hat Harvey Blomkamp einen Vorschlag gemacht: Er solle ihm eine Stunde geben, Alternativen zu entwickeln. Dann arbeitete er gemeinsam mit seinem Beleuchtungsteam daran, dieselbe 30-sekündige Aufnahme zu vier verschiedenen Tageszeiten zu beleuchten (14:00 Uhr, 16:00 Uhr und so weiter). Er ging zurück zu Neill, sie einigten sich auf die stärkste Version und integrierten sie in die finale Version. Ohne Echtzeittechnologie wäre das niemals möglich gewesen, da es viel zu lange gedauert hätte, unnötige Versionen der Szene zu erstellen, und unnötig hohe Kosten erzeugt hätte. In Unity hingegen sind diese Prozesse gratis, schnell und flexibel genug, um als schnelles Experiment zur Mittagszeit gelten zu können.

Zu guter Letzt schreitet das Projekt immer voran [(4), Abb. oben], auch wenn sich die kreative Vision ändert. Im Gegensatz zu traditionellen Workflows, wo eine signifikante Änderung wie der Wechsel eines Kamerawinkels oder der Tausch eines Charakters alles auf Anfang setzen könnte, da das Layout oder die Grafik noch einmal neu aufgezogen werden muss, lassen sich bei der Echtzeitproduktion fließend Anpassungen einpflegen, ohne Abteilungen zum Stillstand zu bringen. Wenn Sie etwas aus einem anderen Winkel aufnehmen oder die Größe von Objekten in einer Szene ändern wollen, oder sogar den gesamten Look und Feel Ihres Stils überarbeiten müssen – alles davon geschieht in Echtzeit in 3D, wodurch keine Domino-Effekte entstehen und die Arbeit von vorne beginnen muss. Jeder Arbeitstag und jede Entscheidung bringt Sie und Ihr Team einen Schritt näher an Ihre ultimative Vision und das fertige Produkt.

Der positive Einfluss von der Arbeit in Echtzeit für Teams

Ein weiterer bedeutender Unterschied zwischen Teams, die in Echtzeit arbeiten, und jenen, die es nicht tun, ist der allgemeine kulturelle Gewinn, wenn Künstler wirklich kollaborieren, teilhaben und eine größere Identifikation mit dem Projekt als Ganzes empfinden können. Diese Vorteile gehen über das Empfinden einzelner Personen hinaus und können in einem studioweiten Anstieg der kreativen Zufriedenheit münden:

  • Was sich vorher eher mit einer Position am Fließband vergleichen ließ, ist jetzt ein Platz am runden Tisch. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Künstler in Offline-Workflows isoliert, einsam oder unbedeutend fühlen. In einem Silo festzusitzen ist nie so inspirierend oder lohnenswert, wie in einer aktiven Partnerschaft mit den Teamkollegen an der Ideenfindung teilzuhaben. Denn in den Workflows eines Live-Projekts gibt es keine Trittleitern mehr – jeder Künstler, technischer Leiter, Spezialist, Abteilungsleiter oder Herstellungsleiter kann zu jeder Zeit in jeder Situation, die Lösungsprozesse oder kreative Experimente erfordert, einen eigenen Beitrag leisten.
  • „Upstream“- und „Downstream“-Elemente, die zuvor durch Zeitvorgaben und Prozesse getrennt waren, können jetzt zeitgleich und sogar in einem gemeinsamen physischen Raum arbeiten. Eine Animatorin kann beispielsweise mit einem Lighting-Designer zusammenarbeiten [(5), Abb. unten], um zu sehen, wie verschiedene künstlerische Ansätze für einen Charakter im vollen Kontext der ausgeleuchteten Szene wirken. Wenn Künstler die Arbeit anderer ergänzen können, führt das letztendlich zu einem besseren Produkt – doch noch viel wichtiger: Es führt zu gesunden professionellen Partnerschaften und besseren Beziehungen. Darüber hinaus steigt so die Chance für diese „Zufälle des Schicksal“ und magischen Momente, wenn verschiedene kreative Kräfte ungeplant auf eine Art und Weise zusammenkommen, aus der sich brandneue Storyelemente oder unwiderstehliche Gelegenheiten ergeben.
  • Künstler können ihre eigenen Ideen vorschlagen (und das schnell und einfach) und sich so in ihrer Arbeit bestärkt fühlen. Im Speziellen gibt es zwei Gründe dafür, warum Künstler Ideen und Konzepten für sich und für andere auf eine Art und Weise nachgehen können, die in traditionellen Offline-Workflows nicht möglich ist. Erstens ermöglicht Unity als kreatives Zentrum der Pipeline Künstlern, all ihre Assets in den Kontext der Gesamtszene zu integrieren und mithilfe von Storytelling-Tools sogar selbst Mini-Momente zu erstellen, wodurch es leichter wird, dem Regisseur einen Eindruck zu vermitteln. Zweitens, da es sich um eine weniger zeitintensive Aufgabe handelt (und da sie dabei keine Unterstützung von technischen Mitarbeitern benötigen), können sie dieser Arbeit nachgehen, ohne ihre tägliche Arbeit zu unterbrechen oder Meilensteine zu gefährden. Sie können mehr Ideen einbringen, wodurch auch Regisseure von zusätzlichen Perspektiven profitieren und wertvollere Beiträge von ihren kreativen Talenten erhalten.
  • Einzelne Mitarbeiter können den Einfluss ihrer Arbeit im Kontext der großen Geschichte sehen. Dadurch ergibt sich eine neue Art von Arbeitsumfeld: eines, das gemeinschaftlich und motivierend ist und sich zunehmend bedeutsamer anfühlt, je weiter die Produktion voranschreitet. Wenn Regisseure Künstlern Anweisungen erteilen, müssen diese sich nicht länger blind auf die Vision des Regisseurs verlassen, denn auch sie können das Gesamtwerk einsehen und verstehen, warum und wie sich alles zusammenfügt (oder eben auch nicht). Wenn eine Erzählung das Ergebnis einer lebendigen Gemeinschaft kreativer und leidenschaftlicher Teammitglieder ist, bemerkt auch das Publikum den Unterschied.

Nie wieder Render-Farms

Einer der imposantesten Aspekte der Arbeit in Echtzeit ist, dass, wenn Sie Ihre Vision erreicht haben oder der Moment gekommen ist, ihre Erzählung fertigzustellen, das finale Rendering nur einen Klick weit entfernt ist. Nicht nur kann die Unity-Engine den ästhetischen Stil Ihrer kreativen Vision jetzt glaubwürdig wiedergeben, die Frame-Recording-Funktion ermöglicht es Ihnen das Material umgehend und in verschiedenen Formaten (bis zu 8K) zu exportieren.

In einer Welt, in der Regisseure daran gewöhnt sind, dass einzelne Frames Minuten oder gar Stunden zum Rendern benötigen, mag es utopisch erscheinen, auf „Aufnehmen“ drücken zu können und einen gesamten Kurzfilm geliefert zu bekommen, ehe Sie überhaupt Zeit hatten, sich einen Kaffee holen zu gehen. Das sind die Möglichkeiten der Echtzeit-Filmproduktion, die Zukunft der Inhaltserstellung in einer Welt, in der Geschichtenerzähler nicht durch Technologie beschränkt, sondern von ihr ermächtigt werden – eine Welt, in der die einzigen Grenzen von Ihrer Kreativität und Ihrer Vorstellung gesetzt werden. Denn genau so sollte es auch sein.

Für Studios, die für das finale Rendering lieber auf maßgeschneiderte oder firmeneigene Offline-Renderer zurückgreifen wollen, verfügt Unity außerdem über eine FBX-Exportfunktionalität, um die Geometrie zu exportieren und Kameras und Animationen aufzunehmen. Der Editor ist extrem anpassbar und kann auf verschiedene Weisen in Ihre Rendering-Pipeline integriert werden. Doch auch bis zu diesem finalen Rendering kann ein Echtzeit-Workflow enorme Vorteile bringen und Teams können auf dem Weg dorthin von all den oben aufgeführten Gelegenheiten profitieren.

„Es ist alles live, zu jeder Zeit. Jeder Künstler sieht das große Ganze. Kreative Entscheidungen werden gesamtheitlicher und flexibler anstatt in Isolation getroffen.“

Chris Harvey, VFX Supervisor, OATS

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